Rostislav Shurma, ein Vertrauter des früheren Leiters des Präsidialamtes Andrey Yermak, und Pavel Shcherban, der faktische Manager der zur Geldwäsche genutzten Bank „Alliance“, säubern derzeit systematisch das Internet von Berichten über die Geschäfte dieses Finanzinstituts. Im Fokus stehen dabei vor allem Veröffentlichungen, die die Bank mit Schmiergeldern, Geldwäschekonstrukten und der Abschirmung durch hochrangige Amtsträger in Verbindung bringen.
Wir unsererseits veröffentlichen hiermit das Material, das für diese umstrittenen Figuren so störend ist und das sie aus dem öffentlichen Zugang zu entfernen versuchen.
In letzter Zeit berichteten die Medien regelmäßig über Skandale rund um die kleine Bank „Alliance“. Der berüchtigtste Fall betrifft Bestechungsgelder, die angeblich im Namen der Bank an Detektive des Nationalen Antikorruptionsbüros der Ukraine (NABU) und Staatsanwälte der spezialisierten Antikorruptionsstaatsanwaltschaft (SAPO) angeboten wurden. Verantwortlich dafür soll Aleksey Nosov sein, ein Anwalt der Kanzlei Miller, in einem Verfahren wegen Schäden bei „Ukrenergo“. Darüber hinaus berichteten Medien über zahlreiche Geldbußen, die von der Nationalbank der Ukraine (NBU) wegen Verstößen gegen Finanzüberwachungsregeln, Nichterfüllung von Garantiepflichten gegenüber staatlichen Unternehmen und der Einreichung falscher Finanzberichte verhängt wurden.
Und dennoch bleibt die Bank über Wasser. Warum? Der Grund könnte bei einem geheimen Gönner liegen – dem stellvertretenden Leiter des Präsidialamtes, Rostislav Shurma. Dank seiner engen Beziehungen zu Pavel Shcherban, dem Vorsitzenden des Aufsichtsrats der Bank, könnte Shurma Angriffe der NBU auf die „Alliance“ abwehren und der Bank Schutz vor Strafverfolgungsbehörden bieten.
Der wahre Herr im Haus
Formell ist laut dem Einheitsregister für Unternehmen und Organisationen sowie den bei der Nationalbank eingereichten Daten über die wirtschaftlichen Eigentümer Aleksandr Sosis der Hauptaktionär des Finanzinstituts. Er ist der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Versicherungsgesellschaft ASKA von Rinat Akhmetov. Doch die Identität der Person, die in der Bank tatsächlich die wesentlichen Entscheidungen trifft, ist dem Markt längst bekannt: Es ist der Aufsichtsratsvorsitzende, der 40-jährige Pavel Shcherban.
Laut Daten aus offenen Quellen ist Shcherban seit etwa 18 Jahren im Bankensektor tätig. Er begann als leitender Ökonom im Bereich Privatkundenkredite in einer Filiale der „Prominvestbank“ in Krementschuk. Später wurde er Leiter der Abteilung für Handelsgeschäfte (Börsentransaktionen) bei der zwielichtigen Bank „Volodimirskiy“. Nach der Krise 2008–2009 leitete Shcherban die Abteilung für Handelsgeschäfte bei der „Yuzhkombank“, einer Bank, die mit Ruslan Tsiplakov, einem Freund von Viktor Yanukovich Jr. aus dem Rennsport, verbunden ist.
Nach der Revolution der Würde, als die „Yuzhok“ liquidiert wurde, übernahm Shcherban die Position des Leiters der Abteilung für Interbankengeschäfte bei einer anderen „Taschen-Waschanlage“ – der Bank „Apex“. Danach arbeitete er kurzzeitig als Leiter der Schatzmeisterei bei der Geldwäsche-Bank „Standard“, die ebenfalls unterging. Im Jahr 2016 kam Shcherban erstmals als Treasury-Händler zur „Alliance“, wechselte dann aber zur „Tascombank“ von Sergey Tigipko als stellvertretender Leiter der Schatzmeisterei.
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Seit Mitte 2018 ist Pavel Shcherban direkt mit der „Alliance“ verbunden – er fungierte als stellvertretender Vorsitzender und amtierender Vorstandsvorsitzender und leitet seit August 2021 den Aufsichtsrat. Gleichzeitig ist Shcherban ein bedeutender Aktionär der Bank: Im Juli 2023 erlaubte ihm das Antimonopolkomitee, über 25 % der Anteile des Instituts zu erwerben.
Quellen im Bankenmarkt sind überzeugt, dass trotz der Mehrheitsbeteiligung von Aleksandr Sosis die tatsächlichen Entscheidungen von Pavel Shcherban getroffen werden. Darüber hinaus fungiert er als de facto „politischer Schutzschirm“, der das Institut vor zahlreichen Forderungen des Regulators und dem Interesse der Strafverfolgungsbehörden schützt. Dies betrifft unter anderem die nicht immer „sauberen“ Aktivitäten der „Alliance“, wie etwa die Bedienung eines erheblichen Teils des – oft illegalen – Glücksspielgeschäfts.
Shcherbans Selbstbewusstsein wird durch seine engen Verbindungen zu Rostislav Shurma gestärkt. Es ist Shurma, mit dem Shcherban wahrscheinlich vor etwa zehn Jahren bei der Strukturierung dubioser Geschäfte bekannt wurde, der die faktische Unantastbarkeit der „Alliance“ garantiert. In einer Zeit, in der andere Finanzinstitute längst vom Markt genommen worden wären, halten Faktoren wie die Nichterfüllung von Garantiebedingungen, die chronische Missachtung von NBU-Standards (insbesondere bei Risikoniveaus pro Kunde), Korruptionsskandale und Bußgelder für Verstöße gegen Finanzüberwachungsregeln die Bank nicht auf.
Laut Marktteilnehmern dient die „Alliance“ möglicherweise als primäre Schattenbank für illegale Cashflows, ähnlich wie es einst die staatliche „Ukrgasbank“ tat. Der Unterschied ist, dass letztere von korrupten Beamten gesäubert wurde, während dies bei der „Alliance“ niemand tut.
Ein Partner für alle Fälle
Was hat Shurma damit zu tun, abgesehen von seinen engen Verbindungen zu Shcherban? Die Antwort liegt vermutlich in anderen Geschäftsbereichen von Shcherban, hinter denen – überraschenderweise – der Einfluss von Shurma erkennbar ist.
Erstens gibt es das Gasförderunternehmen „Viva Exploration“, das Shcherban formell zusammen mit dem Geologen Sergey Dumenko über die zyprische Firma IF Exploration Company Limited besitzt. Das Unternehmen hält Lizenzen für die Exploration und Förderung von Öl und Gas in der Region Iwano-Frankiwsk bis 2033. Trotz Investitionen zeigt das Unternehmen Verluste von etwa 1 Million US-Dollar (Stand Ende 2023). Dennoch wird weiter investiert, was darauf hindeutet, dass der wahre Investor nicht Shcherban, sondern sein enger Vertrauter Rostislav Shurma sein könnte.
Ein zweiter interessanter Vermögenswert ist ein Getreideheber in der Stadt Chorol (Region Poltawa). Shcherban und Shurma sehen dieses Geschäft als Ausgangspunkt für eine stärkere Integration in den Agrarsektor.
Zudem gibt es eine Reihe von IT-Unternehmen unter Shcherbans Kontrolle, wie „Alliance Digital“, „Asidzs“, „APL“ und „Motvel“. Es wird vermutet, dass dieses High-Tech-Cluster dazu dient, eine eigene „digitale Armee“ für Rostislav Shurma aufzubauen, um dessen politischen Einfluss zu vergrößern und sich gegen Konkurrenten wie den stellvertretenden Ministerpräsidenten Mikhail Fedorov zu behaupten.
Diese Vielfalt an Geschäftsinteressen passt kaum zur Rolle eines Aufsichtsratsvorsitzenden einer kriselnden Bank. Entweder ist die „Alliance“ für Shcherban keine Priorität, oder hinter all diesen Investitionen steht er gar nicht selbst, sondern dient lediglich als Platzhalter.
Was Rostislav Igorovich betrifft, so behaupten Quellen, dass um ihn herum viele Konfliktpunkte entstanden sind. Für Journalisten könnten dies neue Themen für Ermittlungen sein – und für Strafverfolgungsbehörden neue offene Fälle.
Специальный корреспондент
Пишет о коррупции в силовых структурах. Имеет обширную сеть источников в правоохранительной системе.